Der Brexit und die Finanzbranche

Die Europäische Union ist ein Verbund aus aktuell 28 Mitgliedsstaaten, der sich auch einen gemeinsamen Binnenmarkt teilt. Sollte ein Mitglied aus diesem Bund austreten, kann dies erhebliche Folgen auf die Wirtschaft beider Parteien haben. In diesem Artikel werden die vermeintlichen Auswirkungen des Austritts vom Vereinigten Königreich auf die EU näher beleuchtet.

Was ist der Brexit?

Der Begriff „Brexit“ steht für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Bei einem Referendum am 23. Juni 2016 stimmte die Mehrheit der Wähler für den Austritt. Eingeleitet wurde der Austrittsprozess von der britischen Premierministerin Theresa May. Der Austritt soll laut Angaben der britischen Regierung am 29. März 2019 rechtskräftig werden. Während einer Übergangsphase bis 2021 soll das Vereinigte Königreich alle EU-Regeln einhalten und weiter Beträge zahlen, aber in EU-Gremien keine Mitsprache mehr haben. Der Brexit wird weitreichende Auswirkungen auf Politik, Wirtschaft und auch auf die Bürger im Vereinigten Königreich und in der EU (Europäische Union) haben. Welche Auswirkungen der Ausstieg der zweitgrößten Volkswirtschaft der EU tatsächlich haben wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Es können aber potenzielle Vermutungen angestellt werden, welche Auswirkungen der Brexit auf die Finanzbranche haben könnte.

Welche Auswirkungen könnte der Austritt haben?

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Vereinigte Königreich zum größten Standort für Banken und Finanzdienstleistungen in Europa entwickelt. Viele außereuropäische Banken haben ihre europäische Hauptniederlassung in London. Solange das Vereinigte Königreich Mitglied der Europäischen Union ist, können die Finanzinstitute, die in London angesiedelt sind, in der ganzen EU grenzüberschreitende Geldgeschäfte tätigen. Grundlage hierfür ist das sogenannte „financial passporting“. Dies ist ein Finanzpass, welcher gewährleistet, dass eine Bank, die in einem EU-Mitgliedsstaat ihren Hauptsitz hat und dort der Finanzaufsicht unterliegt, ihre Dienste auch in allen anderen Mitgliedsstaaten anbieten darf. Mit dem Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU, müssten sich die Finanzdienstleister einen zusätzlichen Sitz in der EU suchen. Die Europäische Zentralbank betont zudem, dass zentrale Funktionen, wie das regionale Management oder die interne Revision dieser Dienstleister, direkt in einem Mitgliedsstaat der EU angesiedelt sein müssen. Dies könnte tatsächlich für Deutschland von Vorteil sein, da viele Banken und Unternehmen aufgrund dieser Regelung ihren Sitz nach Frankfurt am Main, als Bankenmetropole, verlegen könnten. Für die europäischen Banken und die Wirtschaft wäre es aber sinnvoll, wenn die Regulierungsstandards der EU und des Vereinigten Königreichs nicht zu weit auseinander gehen, damit die Finanzstabilität gesichert bleibt. Eine enge Verknüpfung der Märkte wäre für beide Parteien von Vorteil.

Auswirkungen des Brexits für Sparer

Betroffen vom Brexit sind private Verbraucher eher weniger und übereilte Aktionen wie Konten auflösen oder Gelder bei britischen Banken abzuziehen, sind bisher nicht nötig. Die Betroffenheit der deutschen Sparer ist eher indirekt und kommt auch erst mit der Unsicherheit an den Märkten, sollte die EZB (Europäische Zentralbank) sich gezwungen sehen den Leitzins weiterhin niedrig zu halten, als Reaktion auf den Brexit. Ein Punkt, der Auswirkungen auf deutsche Sparer direkt haben kann, ist der Kursverfall des Pfundes. Mit dem Kursverfall sinkt auch zwangsläufig der Gegenwert der gesicherten Gelder. Die gesetzliche Einlagensicherung in Großbritannien sichert Einlagen bis 85.000 Pfund pro Sparer ab. Verbraucher, die Geld im Vereinigten Königreich eingelagert haben, sollten dazu aber auch den Wechselkurs in Euro beachten. Einlagen, die oberhalb der gesetzlichen Sicherheitsgrenze liegen, sollten auf Konten in anderen Ländern verteilt werden.